Der legendäre Miles Davis:

5. September 2019

Miles Davis hat mal behauptet, dass er daran, wie jemand sein Instrument hält, erkennen könne, ob derjenige es beherrscht, oder eben nicht. Der legendäre Trompeter ließ selbstverständlich keine Zweifel daran offen, dass er sein Instrument so virtuos im Griff hat, wie kaum ein anderer in der Geschichte des Jazz. Davis war allerdings von Haus aus mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet; Seine Mutter war Geigerin und Musiklehrerin, sein Vater ein erfolgreicher wie wohlhabender Zahnarzt. Miles Dewey Davis III kam am 26.05.1926 in Alton bei St. Louis zur Welt, glänzte in der Schule und bekam als Neunjähriger seine erste Trompete geschenkt. Er fiel schnell als hochbegabt auf und spielte entsprechend jung in allerlei Bands mit Größen wie Art Blakey, Dizzy Gillespie oder Thelonious Monk. Auch mit seinem großen Idol Charlie Parker musizierte er eine Weile. Aber letztlich dämmerte Miles Davis schnell, dass es vor allem darum geht, seine eigene Stimme, den eigenen Sound zu finden: „Es geht nicht darum, die Vergangenheit immer wieder aufleben zu lassen, sondern vielmehr darum die Zukunft des Jazz zu gestalten“ gab der Künstler mal zu Protokoll. Furchtlos war er obendrein: „Fehler? Es gibt keine Fehler!“

In den frühen Fünfzigern spielte Davis bereits einige bemerkenswerte Platten ein, unter anderem für das legendäre Label Blue Note – aber zu seinem Sound fand er wohl an den zwei Tagen im Jahre 1959, an denen er unterstützt, von Cannonball Adderley, John Coltrane, Wynton Kelly, Bill Evans, Paul Chambers und Jimmy Cobb das Album „Kind of Blue“ einspielte. Ein Genre-Meilenstein – und nicht nur ein Klassiker für Davis, sondern nebenher auch noch die bestverkaufte Jazzplatte aller Zeiten. Natürlich hätte er sich auf diesem Triumph lange ausruhen und den Kind-Of-Blue-Erfolgs-Sound bis in alle Ewigkeiten kopieren können – aber das war Davis eben zu öde und zu wenig herausfordernd. Dazu passte, dass er in schöner Regelmäßigkeit die Musiker seiner Bands ersetzte und so viele spektakuläre Karrieren mitverantwortete. Zu seinen ehemaligen Bandmitgliedern gehören unter anderem: Herbie Hancock, Chick Corea, Joe Zawinul, John McLaughlin, Billy Cobham, und viele, viele andere super Asse!

Nebenher revolutionierte er immer wieder den Jazz, indem er keine Grenzen akzeptierte und alle nur denkbaren Einflüsse zuließ. Er euphorisierte sich für Rock und Soul, also Musik die viele seiner Jazz-Kollegen bis dahin als zu schlicht abgetan hatten. In den Sechzigern legte er dann das Fundament für den Fusion-Jazz der Siebziger, den er dann noch kühn elektrisierte. Eine Musik die streckenweise so abstrakt war, dass viele Hörer nicht mehr folgen konnten. Auch die Arbeit im Studio revolutionierte er, indem er aus langen Sessions Einzelteile zu neuen Tracks zusammensetzte, was später viele Hip Hopper beeinflussen sollte. Dass er obendrein ein Styler war, der sich gerne teuer in Schale warf, Sportwagen und attraktive Frauen liebte, definierte auch alle Klischees vom weltfremden Jazzvirtuosen neu.

Weil Miles Davis allerdings auch eine harte Drogenabhängigkeit mit den Jahren nie wirklich in den Griff bekommen hatte, zog er sich Mitte der Siebziger zeitweise aus der Branche zurück. Als er in den Achtzigern dann zurückkehrte, war er fasziniert von den Klängen der nachgewachsenen Generationen, beschäftigte sich mit Hip-Hop und Pop und beschloss das alles in seine Musik einfließen zu lassen. So wie auf dem legendenumrankten und nun endlich veröffentlichten Album „Rubberband“. Körperlich war Davis schon angeschlagen, aber seine Kreativität loderte ungebrochen. Unterstützt von seinem Schlagzeug spielenden Neffen Vince Wilburn Jr. und allerlei anderen Könnern, jongliert er auf „Rubberband“ virtuos mit Funk, Soul und natürlich Jazz. Daran, dass diese Aufnahmen nun für die erstmalige Veröffentlichung bearbeitet wurden, dürfte Davis ohnehin seine Freude gehabt haben.

Miles Davis starb 1991, aber seine Musik ist lebendig und elektrisierend geblieben.