Gemeinsam nach Colorado: Neil Young und Crazy Horse zusammen mit neuem Album

28. Oktober 2019

Für Neil Young ist die Band Crazy Horse ein „Poncho, der mich wärmt“, hat der alte Rocker gerade in einem Interview gesagt.

Was lustig klingen mag, ist von Young ziemlich treffend formuliert, denn das Vertrauensverhältnis, das der Rocker zu seiner bewährten Backing Band hat, dürfte einzigartig sein. Seit gut einem halben Jahrhundert haben Crazy Horse, benannt nach dem berühmten Indianerhäuptling, immer wieder mit Neil Young gearbeitet: Auf elf Studio-Alben, diversen Liveplatten und zahlreichen Tourneen gingen sie ihm zur Hand.

Kennengelernt haben sie sich in den Sechzigern in L.A. bei diversen Sessions, als sie noch The Rockets hießen und Neil Young noch mit Buffalo Springfield unterwegs war. Auf seinem zweiten, 1969 veröffentlichten, Soloalbum „Everybody Knows This Is Nowhere“ waren Crazy Horse dann mit Young im Studio, um gemeinsam Klassiker wie „Down By The River“ oder „Cinnamon Girl“ einzuspielen und einen Sound zu entwickeln, von dem auch Young sagt, dass er einzigartig sei. Die einzigen beständigen Crazy-Horse-Mitglieder, die stets am Start waren, wenn Neil Young anrief, sind Billy Talbot (Bass) und Ralph Molina (Schlagzeug). Frank „Poncho“ Dampedro (Gitarre) hat sich zuletzt in den Ruhestand nach Hawaii verabschiedet. Dafür steht Nils Lofgren (Gitarre) zur Verfügung, wenn er nicht gerade mit Bruce Springsteen unterwegs ist.

In den vergangenen Jahrzehnten unterstützten diese Musiker Young auf Alben wie „After The Goldrush“, „Tonight’s The Night“ oder „Rust Never Sleeps“. Herausfordernd war für die Crazy-Horse-Musiker allerdings immer wieder die Unberechenbarkeit von Neil Young, der gerne spontan anruft, aber sich manchmal jahrelang gar nicht meldet. Mit den Jahren lernten sie damit umzugehen, spielten eigene Alben ein und arbeiteten mit anderen Musikern. Sieben Jahre ließ Young sie bis zum aktuellen gemeinsamen Album „Colorado“ warten. Und wieder war er begeistert: „Crazy Horse spielen ganz einfach, ihr Sound ist schnörkellos. Es macht mich locker, mit Ralph, Billy und Nils zu musizieren Was mir wiederum mehr Raum lässt, um mich auszudrücken.“ Angeblich soll im nächsten Jahr eine gemeinsame Tournee anstehen. Vermutlich warten Crazy Horse schon auf den Anruf.

Von Christoph Dallach