Pink Floyd: The Later Years

12. Dezember 2019
Pink Floyd The Later Years

Vor ziemlich genau vier Jahrzehnten erschien Pink Floyds „The Wall“ und war einerseits ein spektakulärer Bestseller und andererseits der Anfang vom Ende der Band. Für die Aufnahmen zu diesem Doppelalbum arbeiteten Roger Waters, David Gilmour, Nick Mason und Richard Wright das letzte Mal gemeinsam im Studio. Bereits in den Jahren zuvor waren die vier Briten immer wieder heftig aneinandergeraten, was vor allem daran lag, dass Waters sich zunehmend als Chef aufspielte. Allerdings war es tatsächlich seine Kreativität, die die Band in jenen Jahren beflügelte. Auch das Konzept und die Musik für „The Wall“ stammten überwiegend von Roger Waters.

In dem Konzeptalbum geht es um Entfremdung, Verlust, Ruhm und selbstverständlich um Waters, der für die Geschichte, die in dieser Rockoper erzählt wird, seine Biografie und die seines Freundes, und ehemaligen Pink Floyd Mitglieds Syd Barrett nutzte. Der aberwitzige Erfolg, des am 30. November 1979 veröffentlichten Doppelalbums sorgte dann zeitweilig für Waffenstillstand innerhalb der Band. Immerhin landeten Pink Floyd mit dem Song „Another Brick in the Wall, Part 2“ ihren ersten Nummer-Eins-Single-Hit in den USA, UK und Deutschland. Auch die begleitende „The Wall“-Tournee brach Umsatzrekorde und gilt längst als legendär.

Aber danach war Schluss: Erst drängte der Egomane Waters, den Keyboarder Richard Wright, wegen vermeintlicher Unfähigkeit, aus der Band, und überwarf sich dann so endgültig mit Gilmour und Mason, dass er Pink Floyd 1985 offiziell verließ. Der anschließende Zank, um die Rechte am Bandnamen war lang und schmutzig. Waters räumte mal ein, dass er zeitweilig sogar Klopapier mit dem Gesicht von Gilmour drauf benutzt hätte.

Das letzte gemeinsame Album „The Final Cut“ (1983) war überwiegend eine Sammlung von Überbleibseln von „The Wall“ gewesen, und ist das einzige Pink-Floyd-Werk an dem Richard Wright nicht beteiligt ist.

Den Streit um den Namen verlor Roger Waters und ist seitdem als Solokünstler unterwegs. Seitdem gab David Gilmour den Ton an, holte Richard Wright (Allerdings nur als Zuarbeiter und nicht als vollwertiges Bandmitglied!) zurück und machte gemeinsam mit Nick Mason als Pink Floyd weiter.

Was die zum Trio geschrumpfte Band zwischen 1987 und 2019 produzierte ist nun in der umfangreichen Box „The Later Years“ zu bestaunen. Und um es kurz zu machen: Die Musik darauf ist sehr viel besser als lange behauptet wurde. Denn die große Frage war ja was Pink Floyd ohne Waters noch wert sind. Kürzlich verkündete David Gilmour, wie befreiend es gewesen sei einfach wieder nur Musik machen zu können, ohne sich ständig streiten zu müssen – und genau diese Spielfreude hört man. Den Kern des retrospektiven Kastens „The Later Years“ bilden die Studioalben „A Momentary Lapse Of Reason“ (1987), „The Division Bell“ (1994) und „The Endless River“ (2014) sowie eine erweiterte Version des Livealbums „Delicate Sound of Thunder“ (1998). Obendrauf gibt es einen unveröffentlichten Mitschnitt des Pink Floyd Konzertes in Knebworth 1990 und den Konzertfilm „Live in Venice“ (1989). Besonders spannend ist die für die Box überarbeitete Version von „A Momentary Lapse of Reason“, dem ersten Pink Floyd Album ohne Waters; Tatsächlich bemühte sich Nick Mason dafür noch Mal ins Studio um alle seine Drum-Parts neu einzuspielen, obendrein wurde bislang ungenutztes Keyboard-Material, des mittlerweile verstorbenen, Richard Wright hinzugefügt, so dass letztlich eine neue Version des Albums entstand.

Insgesamt achtzehn Tonträger (Dabei zwei 7“es) – auf denen vermutlich alles zu hören ist was in den Archiven noch auffindbar war – , sowie Bonus-Beigaben wie ein Fotobuch, Poster oder Tour-Pässe runden das Pink-Floyd-Vergnügen ab. Der Klang ist wie immer fabelhaft aber die Musik eben auch. Offiziell endet die Geschichte von Pink Floyd mit dieser Musik; Aus seinem Londoner Hausboot heraus hat David Gilmour mehrfach verkündet, dass er keine Lust mehr habe. Andererseits war  bei Pink Floyd auch immer klar, dass eigentlich nichts sicher ist.

Von Christoph Dallach